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„Damian“-Macher wollen 2017 ihr Angebot erweitern

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2015 gingen Colin Kraft und Elmar Schlabertz mit dem „Damian“ an den Start. Das „neue Eupener Spezialbier“ fand auf Anhieb viele Freunde. Im November 2016 musste das junge Unternehmen 2.000 Liter vernichten, weil das Produkt nicht den eigenen Qualitätsansprüchen entsprach. Zeit für ein Gespräch mit den beiden Initiatoren.

2016 war Ihr erstes vollständiges Geschäftsjahr. Wie fällt die Bilanz aus?

Elmar Schlabertz: Als wir das Abenteuer „Damian“ begannen, hatten wir keine Ahnung, wie diese Geschichte verläuft. Wir haben nicht nur unternehmerisch unheimlich viel lernen müssen, sondern auch in der Region tolle Menschen kennengelernt, mit denen wir großartige Partnerschaften eingehen und Erfahrungen machen konnten. Wir haben eine Menge Spaß und können hiesige Vereine und Initiativen unterstützen. Demnach sind wir vollauf zufrieden.

Im November haben Sie 2.000 Liter vernichten müssen, weil Ihre Qualitätsansprüche nicht erfüllt wurden. Was genau war passiert?

Colin Kraft: Das Damian gehört aufgrund der handgemachten und regionalen Produktion zu den eher hochpreisigen Bieren. Daher haben wir hohe Ansprüche an unser eigenes Produkt. Bier ist ein lebendes Produkt, bei dem auch mal schief gehen kann. Die Brauerei traf da keine Schuld. Bei der letzten Charge gab es eine Infektion, die das Bier zwar nicht schädlich, aber leider nicht lecker hat werden lassen. Bei der Qualitätskontrolle ist uns das aufgefallen und dann war die Entscheidung klar.

Colin Kraft (links) und Elmar Schlabertz (Mitte) haben 2015 das Damian Bier auf den Markt gebracht, das von Benoît Johnen in Hombourg gebraucht wird. Foto: Made in Ostbelgien/Foto oben: Manual Hamel

Colin Kraft (links) und Elmar Schlabertz (Mitte) haben 2015 das “ Damian“ auf den Markt gebracht, das von Benoît Johnen in Hombourg gebraut wird. Foto: Made in Ostbelgien/Foto oben: Manuel Hamel

War dies ein herber Rückschlag für Ihr junges Unternehmen?

Colin Kraft: Wäre das im Mai oder September passiert, wäre das weniger ein Problem gewesen. Aber so kurz vor dem Weihnachtsgeschäft war das für uns ein großer Rückschlag, da wir auch Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern haben. Zuverlässigkeit ist uns dabei sehr wichtig. Beispielsweise haben wir bei der Beschützenden Werkstätte Holzkästen bestellt, die wir bezahlen mussten, aber nicht in den Handel geben konnten. Das war eine Herausforderung, die wir glücklicherweise durch den Eupener Weihnachtsmarkt größtenteils auffangen konnten.

Werden Sie auch künftig in der Brauerei „Grain d’Orge“ in  Hombourg produzieren lassen?

Elmar Schlabertz: Unsere Unternehmensphilosophie ist, alles möglichst handgemacht, fair und regional zu beziehen. Das „Made in Ostbelgien“-Siegel tragen wir nicht ohne Grund sehr offensiv und mit Stolz. Mit der Brauerei „Grain d`Orge“ haben wir einen regionalen Partner, der genau die gleichen Vorstellungen von Genuss, Qualität und Bierkultur hat wie wir. Was zählt, ist im Glas. Wir können uns keine besseren Partner für unser Rezept vorstellen. Ein solcher Rückschlag ändert daran nichts.

Wann wird Ihr blondes Spezialbier wieder in den Regalen zu finden sein?

Elmar Schlabertz: Manche Partner hatten während der Weihnachtszeit noch etwas im Regal. Wir erwarten in den nächsten Tagen die nächste Charge. Wir freuen uns darauf!

Bei der Vorstellung des Unternehmens kündigten Sie an, noch weitere Produkte im Hinterkopf zu haben. Wie sieht es mit deren Umsetzung aus? Kommt bald ein dunkles Damian auf den Markt?

Colin Kraft: In der Tat. Wir schrauben schon länger an zwei neuen Rezepten, worunter auch ein dunkles Damian ist. Dabei haben wir mit neuen Hopfensorten experimentiert, die geschmacklich höchstinteressant sind. Andere Umstände haben aber dazu geführt, dass wir dieses Hobby in den letzten Monaten etwas zurückstellen mussten. Aber wir sind schon sehr weit und zuversichtlich, dass wir dieses Jahr etwas Neues präsentieren können. Für 2017 sind unsere Wünsche aber generell bescheiden. Gutes Wetter bei den Eupener Veranstaltungen wäre schön.

Ihr Unternehmen heißt „Vennwasser“. Was hat es mit der Namensgebung auf sich?

Colin Kraft: Ich sagte schon, wir wollten ein absolut regionales Unternehmen auf die Beine stellen. Als wir nach einem Namen suchten, dachten wir darüber nach, welche Rohstoffe aus der Region kommen. Da bot sich natürlich das Wasser als Namensgeber an.

Mit „Myday“ und „Cabane“, um nur zwei zu nennen, fanden weitere regionale Spezialbiere auf den Markt. Sind Mikrobrauereien nach wie vor im Trend?

Elmar Schlabertz: Mikrobrauereien und Spezialbiere waren bei uns in Belgien schon immer im Trend. Das wird auch so bleiben. Die Eupener Spezialbiere „Myday“, „Cabane“ und „Damian“ haben alle drei grundsätzlich andere Geschmacksrichtungen. Eine solche Angebotsvielfalt ist doch etwas Wunderbares. Auch der Konsum, vor allem in Deutschland, verändert sich trotzdes  klassischen Reinheitsgebots. Weniger, dafür anspruchsvoller. Bier ist nicht mehr nur Getränk, sondern Genussmittel. Die Genießer wollen Bier endlich mehr zelebrieren, Geschmacksnoten besprechen und gemeinsam eine gute Zeit haben. Ähnlich wie beim Wein.

Wird die Vergabe des Titels „Weltkulturerbe“ Auswirkungen auf den belgischen Biermarkt haben?

Colin Kraft: Das wird sich zeigen. Ich bin da eher skeptisch, insbesondere weil es den Unternehmen nicht leicht gemacht wird, damit zu werben. Wenn wir ausländische Kunden trafen, war „belgisches Spezialbier“ schon vorher ein Türöffner. Aber der Geschmack ist entscheidend. Wie gesagt: Was zählt, ist im Glas. Bei all der Euphorie muss man aber auch vorsichtig sein. Bier bleibt immer noch ein alkoholisches Getränk. Wir weisen immer darauf hin, dass Alkoholkonsum immer etwas mit Genuss zu tun haben sollte. Übermäßiger Konsum oder Alkoholmissbrauch hat mit „Bierkultur“ nichts zu tun. (hegen)

 

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