Mahlzeit

Mahlzeit (20/Arti’Choc): Nicht nur für die Liebhaber von Artischocken

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Der Verfasser dieser Zeilen ist Eupener und dazu auch noch gebürtiger Unterstädter. Für diese gab es vor 30 Jahren drei Möglichkeiten, wenn sie sich in ihrem Stadtviertel kulinarisch besonders verwöhnen wollten. Entweder kehrte man im „Le Gourmet“ im Hotel Bosten, dem damals ersten Haus am Platze, ein, besuchte das wesentlich rustikalere Restaurant Visé auf der gegenüberliegenden Straßenseite oder fand im nur unweit entfernten „Vier Jahreszeiten“ direkt hinter dem Kreuz in der Haasststraße seinen kulinarischen Fixpunkt. Alle drei Häuser gibt es noch, was zweifelsohne ein gutes  Zeichen ist. Alle drei verfolgen heute unterschiedliche Gastronomiekonzepte, was die Unterstadt eigentlich zum „Hotspot“ der Eupener Gastronomie macht, zumal wenn man „Meeting Point“, das „Atelier“, die „Langesthaler Mühle“ oder den „Liby’s Beef-Club“ hinzuzählt.

Der Gruß aus der Küche für zwei Personen

Der Gruß aus der Küche für zwei Personen

Mit den damaligen „Vier Jahreszeiten“ von Rachel und Reinhold Bantz hat das heutige „Arti’Choc“ nicht mehr viel zu tun. Die Tochter des damaligen Eigentümers hat mir ihrem Mann das Haus nicht mehr in der Spitzengastronomie, sondern in der modernen Brasserieküche verankert, was aber nicht bedeutet, dass der qualitativere Anspruch ein anderer ist. Der Rahmen ist heute nicht mehr so gediegen wie damals, sondern wesentlich lockerer und gemütlicher. Hier kommt man heute in erster Linie nicht mehr zum Geschäftsessen hin, sondern vielmehr, um im Kreise von  Freunden eine schöne Zeit bei gutem Essen zu verleben. Wer Freitag- oder Samstagabend einen der rund 30 Plätze ergattern will, der sollte mindestens zwei Wochen im Voraus reservieren. Ansonsten kehrt man mit großer Wahrscheinlichkeit nach den Eingangsstufen mit einem nicht gestillten Hungergefühl wieder um.

Gänselebe auf Birnentörtchen

Gänseleber auf Birnentörtchen

Das „Arti-Choc“ bietet ein Drei-Gang-Menü mit mehreren Wahlmöglichkeiten für 37 Euro an. Diese Preisgestaltung ermöglicht den „Bib Gourmand“, den der renommierte Gastromieführer Guide Michelin für ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis vergibt. Die Inspektoren des „roten Führers“ notieren das Haus mit dieser zusätzlichen Würdigung und schreiben: „Arti’Choc ist ein angenehmes Restaurant, in dem die Tradition gepflegt wird, darauf achten die Inhaber Katja und Daniel Baratto-Bantz mit liebevoll-wachsamem Auge. Am Herd zaubert Daniel eine gepflegte Küche, in der die Frische der von ihm verwendeten Produkte hervorragend zur Geltung kommt.“

Kalbsnierchen an einer Senfsauce Fotos: Heinz Gensterblum

Kalbsnierchen an einer Senfsauce Fotos: Heinz Gensterblum

Auf einer Schiefertafel findet der Gast das aktuelle Angebot von Küchenchef Daniel Baratto, der  seit 1995 an dieser Wirkungsstätte kocht. Seine Frau Katja ist die Tochter der früheren Betreiber, die Mitte der 60er Jahre eine Fritüre übernommen hatten und diese ab Anfang der 70er Jahre zu  einem Feinschmeckerrestaurant ausbauten. 2004 wurde dann der Imagewechsel hin zum heutigen „Arti’Choc“ vollzogen.

Die Küche ist keine „Haute cuisine“, aber eine, die durch Vielfalt und Produktqualität überzeugt und dem Gast die Auswahl durch interessante Kreationen schwer macht. Natürlich gibt es auch die namensgebende Artischocke, aktuell mit Meeresfrüchten und einer lauwarmen Vinaigrette (18,50 Euro). Bei den Vorspeisen (15 bis 25 Euro) warten Jakobsmuscheln, Froschschenkel, Austern, Geflügelleber oder Scampis in originellen Zubereitungen. Wir optierten für eine gebratene Gänseleber, die auf einem Birnentörtchen angerichtet wurde. Dazu reichte die Dame des Hauses, die den freundlichen und professionellen Service leitet, einen passenden Gewürztraminer.

Mit einem Sorbet, das seit einigen  Jahren immer seltener zwischen Vor- und Hauptspeise gereicht wird, sorgte das „Arti’Choc“ für die nächste Aufmerksamkeit, denn schon die Amuse Gueule waren eingangs mit einer Krokette, einer Gemüsesuppe und einer Oliventapenade recht üppig ausgefallen. Im Hauptgang (15 bis 28 Euro) gibt es für Fisch- und Fleischliebhaber so einiges: Hummer, Seeteufel, Seezunge oder Kabeljau stehen der Schweinshaxe, Kalbsnierchen oder dem Châteaubriand gegenüber. Das Hungergefühl ist vor dem Dessert aufgrund der reichlichen Portionen minimiert.

Auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten, und wer bei wärmeren Temperaturen das „Arti’Choc“ aufsucht, der kann sich auf der Terrasse im Schatten der Unterstädter Pfarrkirche niederlassen. Die Weinauswahl steht der Qualität der Küche in nichts nach, könnte im preiswerten Segment aber breiter aufgestellt sein.

Fazit: Das „Arti’Choc“ ist eine feste Größe in der Eupener Gastronomie, weil die Qualität seit Jahren beständig ist und das Haus noch immer weiter geschickt an Details feilt, um das Gesamtangebot zu perfektionieren. (hegen)

Arti’Choc in den Vier Jahreszeiten
Haasstraße 38, 4700 Eupen
Telefon: 087/55 36 04
Ruhetage: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag

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