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Bei Peiffer in Membach dem Bierhimmel so nah

Das Unternehmen Peiffer hat in seiner langen Geschichte viele Höhen und Tiefen gekannt und sich häufig neu erfinden müssen (siehe Chronologie anbei). Auch die Coronakrise trifft den Betrieb mit seinen 13 Beschäftigten schwer. Anstatt aber Trübsal zu blasen, hat Augustin Peiffer die Flucht nach vorne ergriffen und in einem ehemaligen Lager auf dem Betriebsgelände einen Getränkeshop eingerichtet. Dieser besticht durch seine breite Bierauswahl. Rund 350 Brauerzeugnisse spiegeln hier die Vielfalt der belgischen Braukunst wider, viele von ihnen werden mit den passenden Gläsern angeboten. Jedes Bier kann man einzeln erwerben und sich auch Geschenkpakete schnüren lassen. „Wir präsentieren alleine die Biere von 15 Brauereien aus der Provinz Lüttich. Die Leute suchen ganz stark regionale Produkte“, verweist der 60-Jährige auf die starke Präsenz hiesiger Erzeuger, denen direkt das erste Regal im entsprechenden Raum gewidmet ist, der in kürzester Zeit eingerichtet wurde. „Der Shop ist aber aus der Not heraus geboren worden. Wir wollten einfach etwas unternehmen“, sagt Peiffer klipp und klar.

Passionierte Biertrinker sind hier dem Himmel so nah. Selbst das begehrte Trappistenbier Westvleteren ist im Angebot. Zehn Euro kostet die Flasche dieses raren Stoffes. Deutlich günstiger kommt man da bei ähnlicher Qualität mit dem benachbarten St.Bernardus Abt 12 davon. „Sie haben früher für die Trappistenmönche gebraut und die Hefe behalten“, umschreibt der Experte die Ähnlichkeit der beiden Biere. „Unser Ziel ist es, künftig alle Trappistenbiere der Welt anzubieten“, verspricht Peiffer einen weiteren Ausbau der Palette. Neben belgischen Tropfen bietet man auch Gerstensäfte aus Deutschland an, mit denen man sich speziell an die deutsche Kundschaft richtet. „Noch in dieser Woche haben wir einen Vertrag mit der Früh-Brauerei über den Import von Kölsch unterzeichnet“, berichtet Augustin Peiffer über seinen jüngsten Abschluss. Natürlich gibt es in Membach auch Bier in Fässern. Das Haltbarkeitsdatum dürfte in manchen Fällen durch die Dauer der Coranakrise überschritten werden: „Wir haben in den letzten Jahrzehnten geholfen, die Brauereien groß zu machen. Deshalb wäre es toll, wenn die Brauereien in dieser Zeit ein Zeichen setzen und uns helfen würden“, erwartet er ein Entgegenkommen der Konzerne, deren Biere er verteilt. Neben Bier und Softegtränken gibt es auch eine Weinauswahl. Für diese ist der Weinhändler Sebastien Petrovcic (L’instant divin) zuständig.

Die Installation für die Herstellung der Waffeln mit herzhaften Füllungen ist für Augustin Peiffer längst abgeschlossen.

Das Unternehmen Peiffer ist vor allem als Getränkelieferant bekannt. Neben der Ausstattung von Festen und Feierlichkeiten werden auch Kneipen beliefert. Es gab Zeiten, in denen Peiffer selbst die Konzessionen von bis zu sieben Wirtschaften hatte. Von dieser Geschäftstätigkeit hat man aber aus den verschiedenen Gründen inzwischen Abstand genommen. Der Export von Spezialbieren nach Deutschland gehört unterdessen noch immer zu den Geschäftsfeldern des Unternehmen.

Viele Menschen verbinden mit Peiffer aber auch die Herstellung von Zuckerwaffeln. Bis zu 40.000 Lütticher Waffeln beziehungsweise ihre Teiglinge entstehen jede Woche in dem Unternehmen, das von der Straße kaum zu sehen ist. 90 Prozent davon exportiert die Peiffer AG in alle Welt, wo Menschen sich für diese Waffeln begeistern können, was oft dem Duft geschuldet ist, den diese beim Backvorgang verströmen. „Noch ist der Erfolg da, doch verändert sich das Konsumverhalten und auch diverse Vorschriften. Ich hatte den Eindruck, etwas Neues machen zu müssen“, stellt Peiffer fest. In baltischen Ländern können die Waffeln beispielsweise nicht mehr an Schulen verkauft werden, weil der Zuckeranteil über 15 Prozent beträgt. „Light“-Versionen seien nicht möglich, weil diese nicht den unverfälschten Geschmack ermöglichen.

Für den Fall der Fälle eines Umsatzrückgangs will der Händler gewappnet sein und hat in den letzten Monaten Waffeln mit herzhaften Füllungen entwickelt. Die Markteinführung sollte in diesen Wochen erfolgen, doch wurde diese coronabedingt verschoben. „Diese werden rund sein und eine Größe von acht oder 13 Zentimetern haben“, umschreibt Augustin Peiffer das neue Produkt und verweist auf süße als auch herzliche Füllungen, die von unterschiedlichen Teigzubereitungen umhüllt werden. Dabei geht es zum einen um eine Vielzahl an Früchten über Käse bis hin zu Tomaten-Mozzarella, Spinat-Ricotta, Krevetten oder gar Currywurst. Die Füllungen kommt zum Großteil aus Deutschland, aber auch aus Flandern, wo man mit einem bekannten Krokettenhersteller kooperiert. „Ich bin überzeugt, dass wir das Ganze ans Laufen bekommen. Gemeinsam mit einigen Blättern Salat hat man schnell eine schöne Mahlzeit auf dem Tisch“, zeigt sich der Geschäftsmann zuversichtlich, der die Menschen unter dem Label „Augustins Waffeln/Les Gaufres d’Augustin“ über die Horeca-Schiene, aber auch über die Kaufhäuser erreichen will. Noch liegen die ersten Exemplare bei minus 22 Grad im Kühlraum. In 2er und 4er Einheiten sollen sie, einzeln verpackt, auf den Markt kommen. An der Marktreife für eine Schokowaffel wird aktuell noch gearbeitet. 40 Prozent des Umsatzes wird bei Peiffer heute mit den Getränkeaktivitäten erzielt, 60 Prozent mit Waffeln. Drei seiner fünf Kinder arbeiten bereits im Unternehmen. Gerade auch für sie hat Augustin Peiffer den Betrieb nun auf ein noch breiteres Fundament gestellt. (hegen/Fotos: David Hagemann)

Der Getränkeshop (Boveroth 74 in Membach) ist wochentags von 9 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 9 bis 17 Uhr.

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