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Mahlzeit (14/Le Luxembourg): Exquisiter Genuss im Shoppingcenter

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Das Shoppingcenter „Massen“ gilt bei vielen Ostbelgiern als Einkaufsparadies. Nur einen Steinwurf von der belgisch-luxemburgischen Grenze in Malscheid entfernt hat Arsène Laplume im vergangenen Jahr das Vorhaben gestartet, Wemperhardt auf die gastronomische Landkarte des Großherzogtums zu setzen. Und bei diesem ehrgeizigen Unterfangen überlässt der rührige Geschäftsmann nichts dem Zufall.

Am Ende des neuen Teils der Galerie hat er ein „Fine-Dining-Restaurant“ mit dem Namen „Le Luxembourg“ angesiedelt, dessen Küche von der Einkaufsmeile aus einsehbar ist. Die Gäste, die erst einmal klingeln müsse, ehe ihnen Einlass in den separaten Bereich gewährt wird, speisen völlig diskret mit Blick auf das Naturschutzgebiet „Conzefenn“ und schottischen Highlandrindern.

Kalbsmedaillons an Frisée-Salat, Thunfisch-Creme und Kapern

Kalbsmedaillons an Frisée-Salat, Thunfisch-Creme und Kapern

Die verschiedenen Gastronomieangebote im weitläufigen Komplex verantwortet mit Pit Wanderscheid ein Top-Koch des Landes, der in verschiedenen Sternehäusern in Frankreich,  Deutschland und Belgien eine erstklassige Ausbildung genoss. In Südostasien, genauer gesagt in Laos, fuhr er dann die ersten eigenen Lorbeeren  ein, ehe es ihn wieder in die Heimat zog. Der 27-jährige Koch und Manager versteht sich als Impulsgeber und ist in seiner Funktion als Küchendirektor für die Qualitätskontrolle  in den neun Küchen des Zentrums zuständig, für die insgesamt 120 Personen – unter ihnen 40 Köche – arbeiten.

Und die ehrgeizige Rechnung scheint aufzugehen. Der Gault&Millau würdigte die Küchen- und Serviceleistungen bereits nach einem halben Jahr mit 13 von 20 möglichen Punkten. Ein Michelin-Stern sei mittelfristig das Ziel, sagt Pit Wanderscheid, ohne sich präzise auf einen Zeitrahmen festlegen zu wollen: „Wir sind noch weit von dem weg, wohin wir eigentlich noch wollen.“

Karotten-Ingwer-Schaumsuppe an gelbem Karotten-Püree, glaiserten Babykarotten und Wachtelbrust

Karotten-Ingwer-Schaumsuppe an gelbem Karotten-Püree, glasierten Babykarotten und Wachtelbrust

Das Ambiente ist edel und modern, „nur“ 24 Plätze erlauben es dem Serviceteam, auf die individuellen Wünsche der Gäste einzugehen. An den Herdplatten stehen mit Küchenchef Robert Stahl und Tobias Schmitt zwei Köche, die Wanderscheid auf seinen Lehr- und Wanderjahren kennen- und schätzen lernte. Stahl war u. a. zwei Jahre auf Johan Lafers Stromburg tätig, wo der Luxemburger selbst als Sous-Chef wirkte.

Bei der Ausstattung des Restaurants wurde nichts dem Zufall überlassen. Während in Deutschland – im Gegensatz zu Belgien –  inzwischen viele Spitzenrestaurants im Schatten von Hotels oder Unternehmen funktionieren, sorgt hier die Einbettung in das Firmengeflecht von „Massen“  für ein solides Fundament. „Alle Produkte, die wir verarbeiten oder anbieten, bekommen sie auch bei auch bei uns im Geschäft“, so Wanderscheid zur Philosophie, und auch die Mitarbeiter anderer Abteilungen liefern zu. So kümmert sich die Patisserie um das Brot und die Desserts, die Delikatessenabteilungen beschaffen die Produkte.

Apropos Produkt: Der Respekt vor diesem ist Wanderscheid nicht erst seit seiner Zeit in Asien wichtig, daher erreichen viele Zutaten unverfälscht im Geschmack und schonend zubereitet die Tische der Feinschmecker. Viele reisen extra für das „Le Luxembourg“ an, andere kommen aus dem benachbarten Hotel „Wemperhardt“ und wiederum andere verknüpfen das Shoppen mit dem kulinarischen Highlight. „Unser Ziel ist es, unsere Kundschaft, die ohnehin Wert auf gute Produkte legt, in unser Restaurant zu locken, auch wenn es ein bisschen abgeschottet ist und sie vielleicht eine Hemmschwelle überwinden müssen“, so Wanderscheid.

Geschmorte Schweinebäckchen vom Iberico an Chorizo-Sud, Erbsenpüree und gegrilltem Spargel

Geschmorte Schweinebäckchen vom Iberico an Chorizo-Sud, Erbsenpüree und gegrilltem Spargel

Die Karte wechselt monatlich und bietet derzeit sechs Vorspreisen  (16 bis 28 Euro) sowie sechs Hauptgänge (28 bis 38 Euro). Das Menü mit vier Gängen ist mit 70 Euro veranschlagt. Klar, dass das Marktangebot eine Rolle spielt. Spargel, Scholle oder Maibock haben daher in diesem Monat ihren Platz. Serviceleiterin Tieni Yap und Sommelier  Eros Bovolenta kümmern sich um das Wohl des Gastes, der einen Blick auf die Weinauswahl, die in einem Glasschrank gelagert wird, genießen kann. Bovolenta hat die Übersicht über das großzügig bestückte Angebot (ab 35 Euro pro Flasche und 9 Euro pro Glas) mit Schwerpunkt Frankreich und interessanten Positionen aus dem Großherzogtum. Sein Heimatland Italien sowie Weine aus der „Neuen Welt“ runden das Sortiment des kundigen Weinberaters ab.

Begeistern konnte uns nach dem hervorragenden Amuse gueule (Titelfoto) die frische Interpretation des „Vitello Tonnato“ (Kalbsmedaillons an Thunfisch-Creme, Frisée-Salat und Kapern), ein Hauch Asiens wehte mit der Karotten-Ingwer-Schaumsuppe an gelbem Karottenpüree, glasierten Babykarotten und Wachteleinlage durch das „Luxembourg“. Schweinebäckchen vom Iberico an Chorizo-Sud, Erbenspüree und gegrilltem Spargel wurden perfekt geschmort und optisch ansprechend kredenzt. Zum Abschluss gab es eine bayerische Limetten-Creme mit Minze-Sorber, mit einem Espuma Wodka-Fizz und einem Madeleine-Herzen.

Bayerische Limetten-Creme und Madeleine Gebäck, Espuma Wodka-Fizz und Minze-Sorbet Fotos: Heinz Gensterblum

Bayerische Limetten-Creme und Madeleine Gebäck, Espuma Wodka-Fizz und Minze-Sorbet Fotos: Heinz Gensterblum

Fazit: Ambitionierte, aber nicht ganz preiswerte Küche in unmittelbarer Nähe zu Ostbelgien. Der Entwicklung des Restaurants gilt es in den kommenden Jahr zu folgen, denn hier könnte bei weiterer konsequenter Umsetzung des Konzepts eine regionale Top-Adresse enstehen. (hegen)

Le Luxembourg, Op der Haart 24, L – 9999 Wemperhardt

Telefon: 00352- 26 901-909

Ruhetage: Montag und Dienstag

 

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